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N°1/2026
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Salome Vidensky

Text

Studentin am Schweizerischen Literaturinstitut Biel

Bachelor Konservierung
Schweiz/Österreich
16-654-055

Salome Vidensky versteht sich nicht als Künstlerin – sie habe der Welt nichts zu sagen, erklärt sie. Ihr Interesse liege vielmehr darin, zu bewahren, was andere bereits ausgedrückt haben. Doch im Gespräch sprudelt Salome nur so vor Dingen, die sie beschäftigen: grosse wie kleine Ungleichheiten und immer wieder die Zeit. Die Zeit, die zu Geschichte wird, während wir sie erleben. Und dass man dagegen nichts ausrichten kann. Ausser sie zu dokumentieren und ihre Artefakte für kommende Generationen zu erhalten.

Salome studiert Konservierung und Restaurierung im sechsten Semester. Die 31-Jährige sitzt in ihrer Küche in Basel, hinter ihr eine Sammlung aus Zeichnungen, Postkarten und Fotos. Während sie erzählt, versuche ich, Schnipsel dieses Archivs dem Gesagten zuzuordnen. Da waren die ersten Jahre in einem Dorf im österreichischen Waldviertel. Dann der Umzug nach Basel, später die Gymizeit, die sich zog, denn: «Das Schulsystem war mir nie eine Freude.» Nach dem gestalterischen Vorkurs begann Salome ein Innenarchitekturstudium, merkte jedoch rasch, dass sie ausserhalb von Institutionen am besten «durch das Machen» lernt.

Als Geschäftsleiterin Verantwortung tragen, lange wach bleiben und früh aufstehen, wenig verdienen – dafür die Welt kennenlernen in den Pausen hinter der Küche. In der Gastronomie hat Salome viele wichtige Lektionen gelernt. Während der Covid-19-Pandemie fiel der Entscheid, der Kunst mehr Raum zu lassen. Salome versteht sich als Gestalterin, die sich dagegen entschieden hat, auf Knopfdruck kreativ sein zu müssen. Denn neben den «künstlerischen» Aspekten will sie verstehen, wie Werke und ihre Komponenten konkret funktionieren – sei das ein Stromkreislauf oder eine wetterresistente Lackmischung.

Was Salome nicht versteht, ist, dass Studieren zunehmend zum Privileg wird. Ihre Ausbildung finanziert sie durch Basler Stipendien, Ausbildungsbeiträge, Erspartes und Nebenjobs. Sie erklärt, dass für sie als Studierende ohne vermögende Familie jeder Hunderter einen Unterschied macht. «Ich decke meine Fixkosten, alles andere existiert nicht.» Anderen ginge es gleich.

Und doch ist das Studium ein Entscheid, den sie wieder so treffen würde. Wenn sie von ihren Projekten erzählt, stellt sie unablässig Fragen. Wie wird man in 80 Jahren über das denken, was heute produziert wird? Was wird noch sein? Wird man die Hände raufen, weil auf eine Weise konserviert wurde, die dann längst überholt sein wird? So wie es Salome heute oft tut bei Werken, die wegen schlechter Konservierung die Zeit nicht überstanden haben. Man könne unmöglich wissen, ob die eigene Arbeit «verhäbt», bloss mit dem aktuellen Wissen entscheiden und diesen Entscheid sauber begründen. Später möchte sie dem als selbstständige Konservatorin nachgehen.