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N°1/2026
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Camille Monnier

Text

Kulturjournalistin in Bern

Bachelor Literarisches Schreiben
Schweiz
17-501-750

Camille Monnier wohnt mit ihrem neunjährigen Sohn in der Bieler Altstadt. Sie studiert am Literaturinstitut der HKB. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf im Waadtländer Jura. Das Gymnasium hat sie in La Chaux-de-Fonds besucht. Mit 16 Jahren ging sie nach Berlin. «Eine wilde Zeit», wie sie sich erinnert, «ich habe nächtelang gefeiert.» Früh sei sie auf sich allein gestellt gewesen und habe sich ihren Lebensunterhalt als Kellnerin verdient. In Biel arbeitete sie etwa in der «Gärbi Breihaus», einem Restaurant und Kulturzentrum. Sie lernte Leute kennen, die am Literaturinstitut studierten, und beschloss, sich mit ihren Texten an der Hochschule zu bewerben.

Monnier erstellte aus älteren Texten in ihrer Muttersprache Französisch eine Art Patchwork. Im September 2024 konnte sie ihr Studium aufnehmen, das ihr die IV finanziert, weil sie ein erstes Studium aufgrund von Gesundheitsproblemen abbrechen musste. «Es ist definitiv leichter zu studieren, ohne nachts als Kellnerin arbeiten zu müssen.»

Gibt es typische Themen, die ihre Generation umtreiben? Sie denkt nach und antwortet: «Ja. Geschlecht, Ökologie und Antikolonialismus.» Auch sie beschäftige sich in ihren Texten mit Systemproblemen. So schrieb sie etwa in einem Essay, der im letzten Semester entstand, über Mutterschaft, ohne die Schattenseiten auszusparen. Dabei kommen verschiedene Stimmen zu Wort und Zeitebenen geraten durcheinander. Sie schreibt manchmal bewusst in der dritten Person, denn es seien nicht zwangsläufig ihre eigenen Erfahrungen, die sie zum Ausdruck bringe. «Ich lasse mich von meinen Texten tragen, weiss im Voraus nicht, wohin sie sich entwickeln», so Monnier. Sie liest selbst vor allem zeitgenössische Literatur und politische Essays.

Fasziniert hat sie auch das Werk der italienischen Schauspielerin und Schriftstellerin Goliarda Sapienza (1924–1995). Die Autorin schrieb für die Freiheit und gegen bürgerliche Normen an. Monnier selbst ist als alleinerziehende Mutter, die heute offen lesbisch lebt, aus manchem Raster ausgebrochen. «Als ich mit 21 Jahren Mutter wurde, ist der Druck, alles richtig zu machen, sehr gross gewesen.» Unverblümt über Mutterschaft zu schreiben, finde sie wichtig für die künftigen Mütter. Und auch für die Kinder. «Das Glück der Mütter ist stark mit jenem der Kinder verbunden.»

Die erhöhten Studiengebühren an der HKB betreffen sie direkt. Die IV unterstützt sie zwar finanziell, aber die Gebühren seien damit nicht bezahlt. Monnier versucht nun, einen sogenannten Semestergebührenerlass zu erwirken. «Ich habe Lust weiterzuschreiben, den Beruf der Schriftstellerin zu ergreifen, gleichzeitig fällt es mir schwer, mich in die Zukunft zu projizieren.» Gut könne sie sich vorstellen, einst mit Kindern zu arbeiten, ihnen Literatur näherzubringen, da sie fest an die emanzipatorische Kraft von Büchern glaube. Dem eigenen Sohn liest sie oft vor. Viele ihrer Texte seien allerdings noch zu hart für ihn, da manchmal auch Gewalt vorkomme. An einer öffentlichen Lesung von ihr war er allerdings vor Ort. Er war begeistert und sagte: «Ich wusste gar nicht, dass du das alles erlebt hast.»