Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualiseren Sie auf Edge, Chrome, Firefox.
N°1/2026
i

Lara Sauer

Text

Kulturjournalistin in Bern

Master Theater – Acting for Screen & Digital Media
Deutschland
23-461-213

Hier im Foyer am Zikadenweg fühle sie sich wohl, so die Schauspielstudierende Lara Sauer. An der dortigen Bar ist sie bereits hinter dem Tresen gestanden. Die 1996 in Heidelberg geborene Studentin sagt: «Ich bin immer weiter in den Süden gezogen.» So gelangte sie von Heidelberg nach Sigmaringen, um im dortigen Staatsarchiv zu arbeiten, und schliesslich nach Konstanz, um Kunst und Literatur zu studieren. Abgeschlossen hat sie das Studium allerdings nicht. Sie wollte Schauspielerin werden. In Bern wurde sie schliesslich an der Hochschule der Künste im Bereich Schauspiel angenommen.

«Du musst mehrere Runden bestehen», so Sauer. Sie erinnert sich daran, wie sie die Elisabeth aus Schillers Maria Stuart interpretierte, oder die Figur des Leopold aus dem zeitgenössischen Stück Tropfen auf heisse Steine vorspielte. Auch mal den männlichen Part einzunehmen, interessiere sie. Die Tradition reiche schliesslich weit zurück. «Bei Shakespeare spielten die Männer die Frauenrollen, da Frauen gar nicht spielen durften.»

Sauer hat es geschafft, sie ist nun bereits im sechsten Semester und hat gerade ein Praktikum am Stadttheater in Freiburg in Breisgau absolviert und damit ihren Bachelor abgeschlossen. «An der HKB verlierst du die Angst, etwas falsch zu machen. Du darfst alles ausprobieren.» In Freiburg im Breisgau habe sie auch die monetäre Seite des Berufs, einen gewissen Druck, den Erwartungen des Publikums zu entsprechen, zu spüren bekommen. «Ich spielte das letzte Einhorn im Kinderstück, das als Publikumsliebling gilt.» Sauer trug ein spektakuläres Kostüm, wobei Magnete ihr Horn festhalten sollten. «Es ist jedes Mal abgefallen, erst in der 15. Aufführung hat es gehalten.» Vor Kindern zu spielen, sei eine schöne Erfahrung gewesen. Sie glaube, dass Kinder eine grössere Fähigkeit zur Immersion hätten als Erwachsene.

Einziger Wermutstropfen: In einer Berichterstattung wurde sie als pummeliges Einhorn bezeichnet. Ein unnötiger Seitenhieb, wie sie findet. Ihre Figur sei für sie kein Thema, für andere offenbar schon. «Ich habe schon Rollen abgelehnt, in denen man explizit eine dicke Frau suchte.» Meist seien das Figuren, die Klischees reproduzierten, die ein absolutes Problem mit ihrem Körper hätten oder auf den Part der besten Freundin der Hauptrolle abonniert seien. «So etwas will ich nicht spielen. Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten.»

Zurück in Bern, freut sie sich nun auf das Masterstudium Acting for Screen & Digital Media, wo sie vermehrt vor der Kamera stehen wird. Sie sei sehr gespannt, wie Schauspiel im Film funktioniere, sei sie doch bisher eher mit den grossen Gesten des Theaters vertraut, so Sauer.

Um ihr Studium zu finanzieren, hat Sauer nebenbei unter anderem in der Gastronomie gearbeitet, aber auch in der Studierendenbibliothek und bei kleinen Auftritten wie etwa Lesungen. Die kürzlich beschlossene Erhöhung der Studiengebühren empört sie. Gemeinsam mit anderen hat sie vor dem Rathaus demonstriert. Sie fürchtet, dass es für viele Ausländer*innen bald nicht mehr möglich sein wird, an der HKB zu studieren. Sie selbst versucht, eine sogenannte Ausbildungsförderung in ihrem Heimatland zu beantragen, um ihr Masterstudium zu finanzieren. Falls es damit nicht klappt, würde sie den Job als Barista allerdings weiterhin gerne machen. «Ich liebe es, Kaffee zu brauen.»