Chun Chen
Bachelor Fine Arts
China
09-723-560
Die 1986 in Shanghai geborene multidisziplinäre Künstlerin Chun Chen schliesst dieses Jahr im Bachelor Fine Arts ihr Studium an der HKB ab. Ihre Zeit in Bern ist geprägt durch einen regulären Arbeitsrhythmus. Sie beginnt ihre Tage um 9 Uhr in den Werkstätten und bleibt dort bis 17 Uhr, 18 Uhr, manchmal bis 19 Uhr. «So, basically I have the same working schedule as the workshops», meint Chun. Dort entstehen nämlich momentan verschiedene Reihen von Skulpturen oder Objekten, zwar in unterschiedlichen Materialien, wie Ton oder Bronze, aber mit einem gleichen Merkmal: von flüssig oder weich bis steinhart. Die Materialien, die Chun verwendet, verkörpern eine Fluidität, die wichtig ist in der Arbeit der Künstlerin.
Im Zentrum von Chuns Kunst steht die ständige Auseinandersetzung mit sich selbst: «Making one work also reveals something in me and I enjoy this process. It’s like self-exploring.» Selbstexploration involviert bei der Künstlerin eine Bandbreite an Themen wie Erinnerungen, Postsozialismus und Immigration. Chun ist vor über zehn Jahren in die Schweiz immigriert. An der HKB jedoch wird sie noch immer als internationale Studierende angesehen. Dies deshalb, weil sie ihre Zulassung zum Studium auf Bachelorstufe, das heisst Berufs-, Fach- oder gymnasiale Maturität, in China erlangte.
Jetzt, mit der Erhöhung der Studiengebühren, ist für Chun klar, dass die HKB viel zu verlieren hat: «To me, it’s like a signal. It’s like diversity is the first thing to be cut off. Which, I feel, is already a weakness at the HKB and many other Swiss schools.» Diese Diversität, meint sie weiter, werde nämlich auch den Studierenden an der HKB fehlen. «This will reduce the quality of the studies and, in my opinion, makes the environment for the Swiss students who are studying at these universities less interesting as well.»
Wichtig für Chun ist genau dieser Austausch zwischen Kunstschaffenden. Sie studierte vor dem Bachelor an der HKB bereits in China und an der Universität in Zürich und hat ausserdem ein Erasmus in den Niederlanden gemacht. Auch Konversationen und Gespräche im Mentorat, im Atelier oder in den Gängen der HKB allgemein sind eine grosse Inspiration. «I just think that art is a way of living. Everything is related to it, and so I’m very happy to have some exchanges about that.»
Finanzieren kann sich Chun das Studium aus Ersparnissen durch eine Anstellung im Marketing, die sie vor dem Beginn an der HKB innehatte. Nach dem Abschluss ihres Studiums diesen Sommer ist Chuns langfristiges Ziel jedoch, irgendwann als unabhängige Künstlerin zu arbeiten: «I wish I could survive as an artist alone, not with a heavy part-time job, which I’ve had to do. I think this would already be a success.» Chun lebt mit ihrem Partner in Zug, von wo aus sie momentan gerade an ihrer Reflexionsarbeit mit dem Arbeitstitel «To Forget Is to Survive. To Remember Is to Resist» schreibt. Ausnahmsweise ist sie also nicht in den Werkstätten der HKB. Nach der Abgabe der Reflexionsarbeit wird Chun aber mit Sicherheit wieder dort anzutreffen sein.