Juan Manuel Cortes Marin
Master Design
Kolumbien
25-677-600
Juan Manuel Cortes Marins Augen leuchten, als er von seinem aktuellen Projekt erzählt. Er befindet sich zur Zeit unseres Videocalls gerade irgendwo in einem abgelegenen Gebiet zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, wo er an seiner Masterarbeit schreibt. Im Grundsatz gehe es dabei darum, wie verschiedene Interessengruppen ihren Anspruch auf die wilden Gewässer in der Umgebung geltend machen. «Indigene betrachten den Fluss als etwas, was über eine Seele, eine Vergangenheit und eine Zukunft verfügt», erklärt er mir sichtlich berührt. Während der Tourismus fordere, dass man den Fluss umlenke oder mit einem Gehweg umrande, finden die indigenen Gruppen, man solle ihn fliessen lassen.
Es war eine Stelle bei Novartis, die ihn nach Basel führte. Dort kümmert er sich unter anderem um das Design von Programmen, die Patient*innen unterstützen sollen. Er möchte nicht für immer bei Novartis bleiben, sagt er. Seine Masterarbeit ist ihm eine willkommene Abwechslung. Juan macht seinen Master in Design an der HKB an der Fellerstrasse in Bern. Er findet Bern charmant und habe eine besondere Beziehung zu seiner Wahlheimat Basel. «Beide Städte sind besser als Zürich», sagt er. Ich warte vergebens auf ein versöhnliches Lachen, er scheint Zürich wirklich nicht zu mögen. Geboren ist er in Bogotá, der grössten Stadt Kolumbiens, die mit knapp acht Millionen Einwohner*innen fast so gross ist wie die Schweiz. Dort hat er auch seine Maturität, in Kolumbien Bachillerato genannt, erlangt. Er fühle sich zwar wohl im Chaos einer Grossstadt, aber schätze an Basel, dass es ihn ständig wieder überrasche mit neuen Ecken, die er zuvor noch nicht entdeckt habe. «Basel ist das Gegenteil von Berlin, wo dir alle ungefragt von ihrem neusten Kunstprojekt erzählen. Hier machen die Menschen einfach Kunst, weil es ihnen Freude bereitet.»
Er habe sich schon immer stark angezogen gefühlt von der Welt der Kunst. Als es darum ging, einen Berufsweg einzuschlagen, schien ihm Design genau das Richtige zu sein. «Es vereint Kreativität mit Produktivität.» Was es bedeutet, Designer zu sein, habe er erst nach seinem Bachelor realisiert. «Design ist oft oberflächlich und manipulativ.» Es werde oft dazu eingesetzt, ein Bedürfnis nach etwas zu erzeugen, was vorher nicht existierte.
Aus genau diesem Grund entschied er sich für seinen Masterstudiengang an der HKB: Hier gehe es auch darum, die Rolle der Designer*innen kritisch zu hinterfragen. Juan denkt viel darüber nach, wie er mit seinem Schaffen etwas Positives bewirken kann. Er wirkt so, als denke er Dinge zu Ende. Und auch wenn er nicht älter aussieht als 36 Jahre, wirkt er fast eine Dekade älter, sobald er spricht.
Er profitiere vom Austausch mit Menschen aus aller Welt im Studium und ist deshalb enttäuscht von der Erhöhung der Studiengebühren, auch wenn diese ihn nicht mehr direkt betrifft. Die Schule müsse dafür sorgen, dass dieser Austausch nicht aus finanziellen Gründen unmöglich wird, weil Auslandsstudierende – speziell aus Lateinamerika – sich die Semestergebühren nicht mehr leisten können. Das kreiert ein systematisches Hindernis, das bestimmt, wer hier studieren darf und wer nicht.
Die Zeit unseres kostenfreien und deshalb begrenzten Zoom Call ist bis auf eine allerletzte Minute abgelaufen, als ich ihn frage, was sein Berufsziel ist. «Puh, das schaffe ich nicht in einer Minute», sagt Juan. Auch ich zweifle daran. Doch ihm reicht ein einziger Satz: «Ich will der südamerikanischen Gemeinschaft einen Dienst tun, sie in irgendeiner Weise unterstützen durch meine Arbeit, ob akademisch oder aktivistisch.»