Linus Tschopp
Bachelor Musik – Klassik
Schweiz
23-472-871
Wir treffen uns im Pavillon auf der kleinen Schanze. Von hier aus hat man eine schöne Sicht auf das Bundeshaus, die Kirchenfeldbrücke und die Alpen. Linus ist aus dem Thurgau angereist, den Rucksack trägt er vorn, an seinem Rücken hängt ein Instrumentenkoffer. Darin eingepackt: ein glänzendes Euphonium, frisch aus der jährlichen Revision. In Bern wohne er von Dienstag bis Freitag, übers Wochenende reise er jeweils zurück in die Ostschweiz. Auch seine drei Geschwister haben ein Blasinstrument erlernt – neben ihm studiere noch ein Bruder Musik.
Linus sagt, er selbst werde die Erhöhung der Studiengebühren vermutlich stemmen können – sie verstehen, das tut er nicht. «So ein Studium sollte für alle möglich sein, gerade hier in der Schweiz.» Und: Das Musikdepartement der HKB sei sehr international. In der Euphonium-Klasse sind beispielsweise Leute aus Spanien, Portugal oder Norwegen. Für ausländische Studierende könnte die finanzielle Schwelle zu hoch werden, was eventuell auch das Niveau des Studiengangs senken würde. Linus selbst kommt aus einer Bauernfamilie. Die Matura hat er nicht gemacht, dafür eine Ausbildung zum Zimmermann.
«Das gibt mir eine super Absicherung.» Heute sei aber die Musik seine Leidenschaft. Mindestens einmal die Woche unterrichtet er als Musiklehrer, daneben ist er auch in Duos auf Bühnen unterwegs (meist mit Harfe oder Marimba), leitet Proben für Musikvereine und soliert regelmässig bei Orchestern. Was ihm manchmal etwas fehlt: das Draussensein, die frische Luft. Für seine Bachelorarbeit wollte er etwas machen, das ihn aus seiner Komfortzone bringt: eine Rekomposition eines Euphonium-Solowerks, das für die Duobesetzung Euphonium und Marimba erweitert wird. Seine Berufsziele: nebst der finanziellen Absicherung als Musiklehrer und Dirigent möglichst viel auf dem Euphonium zu spielen.