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N°1/2026
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Was kostet ein Kunststudium in der Schweiz?

Die HKB-Zeitung hat ihr Redaktionsmitglied und Studentin Yurena Rubido Chaves losgeschickt, die harten Zahlen der Gebühren und Lebenskosten eines Kunststudiums in der Schweiz zu recherchieren.

Text

war Studentin am Schweizerischen Literaturinstitut der HKB und wechselt mit dem Frühlingssemester ans Deutsche Literaturinstitut der Universität Leipzig. Mit diesem Text verabschiedet sich Yurena aus der Redaktion der HKB-Zeitung.

Mal angenommen, du willst etwas studieren, bei dem deine eigene künstlerische Praxis im Zentrum steht. Du klickst dich durch die verschiedenen Bachelorstudiengänge in den Bereichen Kunst, Design und Performance. Du schaust dir die Vorstellungsvideos der Institutionen an, siehst, wie eine Studentin einen plastifizierten Stoff zurechtschneidet, ihn zusammennäht und mit Watte ausstopft. Wie Besucher*innen an einer Diplomausstellung Installationen begutachten. Und du entscheidest dich schliesslich für den Bachelor Fine Arts, zu Deutsch Bildende Kunst. Nun stellt sich die Frage: An welcher Fachhochschule willst du studieren? Reichst du dein Bewerbungsdossier mehrfach ein, um deine Chance auf ein Eignungsgespräch zu erhöhen? Oder setzt du alles auf eine einzige Fachhochschule, weil das Zusammenstellen deines Dossiers sowie die Gebühr für die Eignungsabklärung bereits dein Monatsbudget sprengt? Und falls du den begehrten Studienplatz erhältst: Mit welchen weiteren Kosten musst du rechnen?

Schullandschaft
Willst du in der Schweiz einem künstlerischen Studiengang nachgehen, entscheidest du dich zwangsläufig für die Ausbildung an einer Fachhochschule. Der Weg dorthin führt in der Regel über eine Eignungsprüfung. Die Studienplätze sind begrenzt. Zur Auswahl stehen unter anderem folgende Institutionen: Hochschule der Künste Bern HKB (ein Departement der Berner Fachhochschule), die Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, die Hochschule Luzern HSLU, die Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW und die Haute école d’art et de design HEAD.

Wer sich bewirbt, zahlt
Die erste Gebühr wird bei der Anmeldung und Eignungsabklärung erhoben. Sie wird bei einer Ablehnung nicht zurückerstattet. Ebenfalls wird sie bei positivem Entscheid nicht von der Semestergebühr abgezogen.
ZHdK: 300 Franke
HKB: 250 Franken
HSLU/FHNW: 200 Franken
HEAD: 150 Franken
Die Immatrikulationskosten sind in allen Beträgen inkludiert, ausser bei der HSLU. Erhält man hier den Studienplatz, fordert die Hochschule weitere 150 Franken. Damit führt sie die Spitze der Liste mit insgesamt 350 Franken an. Am anderen Ende steht die HEAD, die weniger als die Hälfte verlangt.

Studiengebühren
Bei den Semestergebühren liegen die Hochschulen näher beieinander. Die Beträge bewegen sich zwischen 720 und 850 Franken. Zumindest solange es sich um Schweizer Studierende oder solche mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Schweiz handelt.HKB: 850 FrankenHSLU: 800 FrankenHEAD: 775 FrankenFHNW:750 Franken
ZHdK: 720 Franken
Immatrikulieren sich internationale Studierende an einer dieser Fachhochschulen, fallen Zusatzgebühren an. Die höchste Differenz zeichnet sich an der HKB ab. Ab Herbstsemester 2026/27 beträgt die Semesterrechnung 2550 Franken – das Dreifache des Betrages für Inlandsstudierende. Die FHNW unterscheidet weiter zwischen Studierenden aus der EU/EFTA und jenen aus allen anderen Staaten. Für Erstere beträgt der Zuschlag 250 Franken, für Letztere 500 Franken. Die ZHdK und HSLU erhöhen die Semestergebühren um 500 Franken, die HEAD um 350 Franken.

Nebenkosten
Zu diesen Beträgen summieren sich pro Semester weitere Ausgaben. Beispielsweise für die Mitgliedschaft im Verband der Studierenden oder für soziale und kulturelle Einrichtungen wie den Hochschulsport, für Verbrauchsmaterial, Lehrmittel, Fachliteratur, Exkursionen, Prüfungsgebühren, Druck- und Kopierkosten. Diese Beträge variieren je nach Institution, Fachsemester und Studiengang. Teils sind sie obligatorisch, teils entfallen sie. Bei internationalen Studierenden verlängert sich die Liste um Kostenpunkte wie Meldebestätigung und Ausweisgebühr.

Fazit: Die fünf Fachhochschulen unterscheiden sich – zumindest aus Sicht von Inlandsstudierenden – kaum bezüglich der Studiengebühren.

Bei deiner Entscheidung solltest du jedoch deine soziale und wirtschaftliche Lage sowie die Lebensunterhaltskosten mitbedenken. Als Richtwert für monatliche Ausgaben gibt der Dachverband Budgetberatung Schweiz einen Betrag zwischen 1735 und 3260 Franken vor. Dieser richtet sich an Studierende, die nicht mehr im Elternhaus wohnen. Wenn du mit dem Gedanken spielst in eine der Hochschulstädte zu ziehen, solltest du wissen, dass Zürich, Genf und Basel laut dem Cost of Living Index im Jahr 2026 die drei teuersten Städte der Welt sind. Bern folgt auf Platz sechs, noch vor New York mit Platz sieben.

Wie auch immer: Ich wünsche dir viel Erfolg und Freude bei deinem Kunststudium.

 

 

Mit höheren Studiengebühren untergräbt die Schweiz die Chancengerechtigkeit
Ein Kommentar von Yurena Rubido Chaves

Bell Hooks Worte zur Bedeutung von Klasse haben auch 2026 nichts an Aktualität eingebüsst: «Heutzutage ist es angesagt, über Themen wie race und Gender zu sprechen; das weniger coole Thema ist Klasse. Es ist
das Thema, bei dem wir alle verkrampfen, nervös werden, nicht sicher sind, wo wir stehen», schrieb die US-amerikanische Hochschullehrerin, Literaturwissenschaftlerin und Autorin vor mehr als sechs Jahren ¹.

In der Schweiz hält sich hartnäckig der Mythos des sozialen Aufstiegs durch Bildung. Der Zugang wird jedoch nicht primär durch Leistung und Talent bestimmt, sondern von der sozialen Herkunft – dem Bildungsniveau, der Klassen- oder Schichtzugehörigkeit der Eltern. Die Forderung des bernischen Grossen Rates und die gleichlautende Entscheidung des Regierungsrates, Studierende sollten sich mit einem «angemessenen Beitrag» an die steigenden Kosten der Hochschulen beteiligen, verstärkt die herrschende Ungleichheit. Wie viele Menschen aus armen und/oder nicht akademischen Elternhäusern sitzen überhaupt in der Bildungs- und Hochschulpolitik und debattieren mit?

Im Jahr 2024 arbeiteten laut dem Bundesamt für Statistik 72 % aller Studierenden nebenbei ². Kam es zum Studienabbruch, waren 33 % bedingt durch Stress und Überbelastung, 21 % aufgrund der Erwerbstätigkeit ³. Mit der Erhöhung der Studiengebühren steigt die Mehrfachbelastung für jene, für die das Studium bereits zum Luxusgut verkommen ist. «Wer heute scheitert», schreibt Aladin El-Mafaalani, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der Technischen Universität Dortmund, «ist vermeintlich selbst schuld. Aus einem kollektiven Schicksal von vielen ist heute ein persönlich zurechenbares Scheitern von einigen geworden.» ⁴

Wer den Bildungsaufstieg schafft, tut dies nicht dank, sondern trotz des Systems. Aus finanzpolitischen Gründen zusätzliche soziale Hürden in diesem System aufzubauen, ist ein fatales Zeichen.