Sanja Lukanović
Master Contemporary Arts Practice
Schweiz/Slowenien
04-387-940
Sanja Lukanović mag Tomaten. Es sei ihr Lieblingsgemüse, obwohl es sich dabei ja streng genommen um eine Frucht handle, wie sie im nächsten Satz korrigiert. Sanja spricht mit ihren Händen und hat ein ausdrucksstarkes Gesicht. Im Rahmen ihres Master in Contemporary Art Practice an der HKB hat sie gerade ebenfalls mit Tomaten zu tun. Nimmer endend nennt sie ihr Projekt, bei dem sie Tomaten aus Beton in eine Liveperformance einbauen will. Sie sei oft aber trotzdem viel zu wenig in der Werkstatt, manchmal komme ihr das Pendeln zwischen Basel und Bern in die Quere.
Wieso ausgerechnet Tomaten, will ich wissen. Sie denkt kurz nach und erzählt eine Anekdote aus ihrer Kindheit. Geboren und aufgewachsen in Ex-Jugoslawien, dem heutigen Slowenien, kam sie nur im Sommer in den Genuss ihrer Lieblingsfrucht. In Slowenien schmecke das Gemüse viel besser, sagt sie inbrünstig. Der Beweis dafür steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ihr Vater arbeitete als Gastarbeiter in der Schweiz. Wenn er im Winter zurück zu seiner Familie reiste, so erzählt sie, musste er ihr deshalb immer Tomaten mitbringen. Wie genau die Performance am Schluss aussehen werde, könne sie mir noch nicht sagen. So arbeitet Sanja. Sie beginnt an einem Ort und landet an einem anderen.
Die Finanzierung des Studiums vergleicht Sanja mit dem Computerspiel Tetris. Fragen beantwortet sie selten direkt, sie schweift gerne etwas ab. Man hört ihr gerne dabei zu. Sie arbeitet unter anderem an einer Primarschule als Bildungslandschaftskoordinatorin und kuratiert Ausstellungen in einer Bar. Und sie kann zu einem Teil auf Erspartes zurückgreifen. Weil es jedoch nicht ganz reicht, musste sie sich zudem Geld ausleihen.
Die Erhöhung der Studiengebühren betrifft sie nicht mehr, da sie bereits im letzten Semester ist. Trotzdem findet sie es problematisch. «In unserer Verfassung ist festgelegt, dass Bildung für alle offen ist und allen die gleichen Chancen bietet.» Sanja weiss, wovon sie spricht. Sie ist ausgebildete Lehrerin für Sekundarstufe I und II, hat ihre Maturität an der pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen erlangt und war an verschiedenen Institutionen tätig. Ihre Erfahrung habe gezeigt, dass es eben nicht überall Chancengleichheit gebe. «Manche Lehrpersonen machen sehr wohl Unterschiede.» Es komme darauf an, wie man aussehe und wie man heisse. Die Erhöhung der Studiengebühren trage dazu bei, dass Bildung – entgegen unserer Verfassung – zum Luxus werde, gerade für ausländische Studierende.
«Logisch würde ich in Zukunft gerne als Performancekünstlerin arbeiten», sagt sie und fügt mit einem Schulterzucken an, dass ihr bewusst sei, dass sie damit nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten könne. Sie brauche deshalb einen Job, der genug flexibel sei, damit sie sich daneben als Künstlerin entfalten könne. Wäre das Leben ein Wunschkonzert, würde sie eigene Kunst- und Kulturprojekte umsetzen, die so viel Geld einbringen, dass es reicht.