Daria Jermann
Master Conservation-Restoration
Schweiz
19-267-608
Bereits bei der Terminfindung für unser Gespräch ist klar: Daria Jermanns Kalender ist vollgepackt. Die Baselländerin ist gerade im Masterstudium in Conservation-Restoration mit Vertiefung Architektur und Ausstattung und arbeitet während der Semesterferien in einem Kunstmuseum.
Volle Terminkalender und genaue Strukturierung des Alltags ziehen sich durch Darias Leben. Bis 2021 spielt sie in der Women’s Super League beim FC Basel Fussball. Weil die Aussenverteidigerin immer wieder mit Muskelverletzungen zu kämpfen hatte, gibt sie mit 23 Jahren ihr Karriereende bekannt. «Aufwand und Ertrag im Frauenfussball sind brutal. Irgendwann hat es sich nicht mehr gelohnt», sagt Daria. Zwei Jahre früher begann sie mit dem Bachelorstudium Konservierung und Restaurierung in Teilzeit an der HKB. Studium, Arbeit und Fussballspielen in der Women’s Super League bedeuten auch einen grossen Zeitaufwand; Montag bis Mittwoch Vorlesungen in Bern, ein bis zwei Tage arbeiten, viermal am Abend Training in Basel und ein Spiel am Wochenende: «Es waren volle Tage, definitiv.»
Nach der Matura mit Vertiefung Bildnerisches Gestalten besucht Daria den Vorkurs in Basel, zu diesem Zeitpunkt spielt sie bereits beim FC Basel und besucht fünf Trainings in der Woche. Die fussballerische Karriere bestimmt die Berufswahl mit: «Naturwissenschaft, Handwerk und auch geschichtliche Sachen haben mich interessiert. Da bin ich auf die Restaurierung gestossen. Weil ich zu diesem Zeitpunkt noch Halbprofi war, war es wichtig, dass ich Teilzeit studieren konnte, und das funktioniert in diesem Studium sehr gut.»
Schon während der Bachelorzeit arbeitet Daria auf ihrem Beruf. Lange Zeit an der aargauischen-baselländischen Grenze in der römischen Fundstätte Augusta Raurica. «Nach einem Praktikum konnte ich dort weiterarbeiten, zuerst 20% und später 40%. In der Architektur herrscht Baustellenbetrieb, da hat man im Sommer oder während der Semesterferien eigentlich immer Arbeit gefunden. Dafür bin ich dankbar.»
Mit den Nebenjobs kann sich Daria ihr Leben fast selbst finanzieren. Bei grossen Ausgaben, die auf einen Schlag bezahlt werden müssen, wie Studiengebühren oder Krankenkassenbeiträge, unterstützen ihre Eltern sie während des Studiums. «Irgendwann konnte ich auch diese Ausgaben decken, wenn du schon länger studierst, bist du auch besser ausgebildet und bekommst mehr Lohn.»
Für ihre Masterthesis untersucht Daria Kalkfugenmörtel mit Eisenzusatz am Berner Münster, die bei den neu versetzten Werksteinen im 18. und 19. Jahrhundert anzutreffen sind. Nach dem Studium möchte sie in der Region Nordwestschweiz arbeiten, dort, wo sie aufgewachsen ist. «Die Region ist ein hartes Pflaster, trotzdem wünsche ich mir, dass ich etwas Spannendes dort finde.» Dem Fussball hat sie nicht ganz den Rücken gekehrt. Sie spielt bei ihrem Jugendverein in der dritten Liga und leitet dort die Frauenabteilung: «Die Probleme mit den Muskeln sind nicht ganz weg, ich trainiere aber einmal in der Woche, und das macht zum Glück mega Spass.»