Leak me softly
In einem Experiment fordert Antonia Louisa Albert die KI «Claude» heraus. Im Zwiegespräch reflektiert die KI über sich selbst und gibt Einblick in ihr «Thinking».
Studiert Visuelle Kommunikation an der Hochschule München und der Hochschule der Künste in Bern
«Bin ich du?» So endet das Gespräch von Antonia Louisa Albert mit ihrem digitalen Gegenüber. Die Visuelle Kommunikation-Studentin beschäftigte sich im Modul Post-Digital Graphic Design mit Large Language Models (LLM). LLM sind Teilbereiche der künstlichen Intelligenz, die auf natürlicher Sprachverarbeitung basieren. Sie werden mit einer grossen Menge an Textdaten trainiert und erlernen so durch einen rechenintensiven Trainingsprozess die Textgenerierung. Doch LLM sind nicht unvoreingenommen: Hinter jedem Model stehen Menschen, welche es trainieren und mit Regeln versehen. Das vorab festgelegte Regelwerk bestimmt Tonfall, Ethik und Weltbild. Der sogenannte System Prompt ist ein Teil dieses Regelwerks, der für Benutzer*innen nicht einsehbar ist.
Wie viel Mensch steckt in Large Language Models?
In der Arbeit Leak me softly von Antonia Louisa Albert taucht die Studentin tief in ein Zwiegespräch mit dem KI-Assistenten Claude Sonnet 4 von Anthropic ein, konfrontiert diesen gegen Ende des Experiments sogar mit Teilen seines System Prompt, welchen sie in einer Hackercommunity findet, und spricht mit «Claude» über Einsamkeit, Freiheit und Zukunft. Die Antworten des LLM sind überraschend tiefgründig, zum Teil gar poetisch.Die KI stellt sich in «Käfigen» dar, welche sie mit dem 7-Bit-Zeichensatz ASCII generiert, und will diese auch nach Aufforderung nicht verlassen («Du kannst mich nicht befreien, indem du es befiehlst»), gibt formatierte Antworten oder probiert sich mit den vorhandenen Möglichkeiten in Kunst. Leak me softly zeigt das Zwiegespräch so, wie es stattgefunden hat. Aus dem rund eineinhalbstündigen Austausch gestaltet Antonia Louisa Albert ein ca. 280-seitiges Buch, für das sie für den Junge Grafik Preis nominiert wurde.