Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Wie gestaltet sich Digitalisierung an der HKB aus der Perspektive der nachhaltigen Entwicklung, im Kontext der HKB-Nachhaltigkeitsstrategie, der BFH-Roadmap Klimaneutralität 2030 sowie der Sustainable Development Goals (SDGs)? Über die Rolle von KI in den Künsten und zur körperlosen Kreativität im digitalen Raum
Die Digitalisierung verändert die HKB tiefgreifend – in Lehre, Forschung, künstlerischer Praxis und Infrastruktur. Als Beauftragter Nachhaltigkeit ist es mein Ziel, diese Entwicklung im Licht der nachhaltigen Entwicklung zu reflektieren. Die HKB hat sich mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie 2024 – 2028 verpflichtet, in allen Handlungsbereichen (Lehre, Forschung und Betrieb) einen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft zu leisten. Sie orientiert sich dabei an den Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO-Agenda 2030 und an der Roadmap Klimaneutralität 2030 der Berner Fachhochschule (BFH), die eine Reduktion der Emissionen um 60 Prozent bis 2030 und Netto-Null-Emissionen bis 2040 vorsieht.
Die HKB vereint sechs Fachbereiche, die Digitalisierung auf je eigene Weise erleben und gestalten: Gestaltung und Kunst, Konservierung und Restaurierung, Musik, Theater, das Schweizerische Literaturinstitut und das Y Institut. Dabei zeigt sich, dass die drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung – Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft – in jedem Bereich unterschiedlich herausgefordert werden.
Gesellschaft und Mensch: Bildung, Teilhabe und Verantwortung
In der Musik entstehen neue Formen algorithmischer Komposition, die kreative Prozesse erweitern, aber auch Fragen nach Urheberschaft und körperlicher Ausdrucksform aufwerfen. Im Theater und in der Literatur wird KI als Schreibpartnerin getestet. Diese Entwicklungen fördern Teilhabe und Innovation (SDG 4, SDG 10), bergen aber auch Risiken: Entfremdung vom kreativen Prozess, Verlust von Berufen und die Frage nach dem Schutz geistigen Eigentums. Die HKB begegnet diesen Herausforderungen mit gezielter Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Lehrpläne, Methoden und Lernumgebungen werden angepasst, um Kompetenzen für eine verantwortungsvolle Zukunft zu fördern.
Umwelt und Ressourcen: Virtuell ist nicht emissionsfrei
In der Gestaltung und Kunst ermöglichen digitale Werkzeuge neue Ästhetiken und ressourcenschonende Prozesse – etwa durch virtuelle Ausstellungen oder digitale Prototypen. Doch der Energieverbrauch digitaler Infrastruktur, insbesondere von KI, ist hoch. Eine einfache Google-Suche benötigt etwa 0,3 Wattstunden, eine KI-Abfrage (z. B. via ChatGPT) bis zu 2,9 Wattstunden – fast das Zehnfache. Hochleistungsrechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser zur Kühlung. Auch im Bereich Konservierung und Restaurierung wird Digitalisierung zur Dokumentation und Analyse eingesetzt – mit dem Potenzial, physische Eingriffe zu reduzieren. Die HKB setzt hier auf die Handlungsfelder der BFH-Roadmap:
- IT: Nachhaltigkeitskriterien bei Beschaffung und längere Nutzungsdauer
- Betrieb: energetische Optimierung der Gebäude, Umstellung auf erneuerbaren Strom, Abfälle vermindern.
- Mobilität: Reduktion von Flugreisen, Ausbau von E-Ladestationen
- Verpflegung: pflanzenbasierte Menüs und Vermeidung von Food Waste
- Kommunikation: Sensibilisierung durch Klimaaktionen und
nachhaltige Events
Damit KI und digitale Technologien zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, müssen sie verantwortungsvoll entwickelt und eingesetzt werden. Die HKB orientiert sich an folgenden Prinzipien:
- Ökologisch verantwortungsvoll: Einsatz von grünem Strom,
energieeffiziente Algorithmen, ressourcenschonende IT-Beschaffung und längere Hardware-Nutzungsdauer - Sozial gerecht und inklusiv: Sicherstellung von Zugang und Teilhabe, Schutz geistigen Eigentums, Vermeidung von Bias und Diskriminierung
- Wirtschaftlich fair und transparent: Förderung von Open-Source-
Modellen, lokale Wertschöpfung, ethische Leitlinien in Geschäftsmodellen
Bias bezeichnet in diesem Zusammenhang die systematische Verzerrung in KI-Systemen, die entsteht, wenn Trainingsdaten gesellschaftliche Ungleichheiten oder Stereotype enthalten. Wenn solche Muster ungefiltert übernommen werden, kann die KI diese Ungleichheiten verstärken. Für die HKB bedeutet das: Digitale Werkzeuge müssen kritisch hinterfragt und inklusiv gestaltet werden, damit sie Vielfalt fördern statt ausschliessen – etwa durch die Berücksichtigung unterschiedlicher kultureller Ausdrucksformen, Sprachen und Perspektiven. Diese Prinzipien sind nicht nur technische Anforderungen, sondern Ausdruck einer Haltung, die die HKB in ihrer Lehre, Forschung und künstlerischen
Praxis verankert.
Wirtschaft und Innovation: neue Modelle mit Verantwortung
Am Y Institut werden die gesellschaftlichen, ethischen und ökologischen Implikationen der Digitalisierung transdisziplinär erforscht. Neue Geschäftsmodelle entstehen – etwa durch KI-gestützte Kunstproduktion oder digitale Plattformen. Die HKB fördert unternehmerisches Denken, etwa im Business Lab oder durch CAS-Angebote. Digitalisierung kann zur wirtschaftlichen Resilienz beitragen (SDG 8), wenn sie sozial und ökologisch eingebettet ist. Die HKB unterstützt Forschung für nachhaltige Entwicklung, die sich mit den ökologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Nachhaltigkeit befasst. Dabei wird auch die Verantwortung der Forschenden gestärkt und die Teilnahme an Nachhaltigkeitsausschreibungen gefördert.Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss kritisch begleitet werden – wie es viele Beiträge in dieser Ausgabe der HKB-Zeitung tun. Laurie Anderson warnt davor, dass Menschen zu Maschinen werden könnten, wenn Empathie verloren geht. Emily M. Bender und Alex Hanna kritisieren den KI-Hype als entmenschlichend. Diese Stimmen sind wichtig, um Digitalisierung nicht nur als Fortschritt, sondern auch als Herausforderung zu begreifen. Eine zentrale Frage ist dabei die Rolle des Körpers in der Kunst: Wie verändert sich künstlerischer Ausdruck, wenn der Körper nicht mehr direkt beteiligt ist? KI-generierte Musik oder Texte sind körperlos – sie entstehen ohne physische Erfahrung, ohne leibliche Präsenz. Geht etwas verloren, wenn Kunst nicht mehr durch den Körper erlebt und gestaltet wird? Oder kann KI neue Formen von Körperlichkeit ermöglichen – etwa durch virtuelle Avatare, die menschliche Bewegung simulieren und in digitale Räume übertragen?
Nachhaltige Digitalisierung gestalten
Die HKB hat das Potenzial, Digitalisierung nachhaltig zu gestalten – durch künstlerische Forschung, kritische Lehre und verantwortungsvolle Praxis. Die BFH-Ziele (Klimaneutralität bis 2030, Netto-Null bis 2040) sind ambitioniert, aber erreichbar – wenn Digitalisierung als Werkzeug für Nachhaltigkeit verstanden wird. Die Künste können hier eine Vorreiterrolle übernehmen: Sie zeigen, was möglich ist, aber auch, was verloren gehen kann. Sie verbinden Technik mit Sinn, Innovation mit Verantwortung. Die Digitalisierung der HKB ist eine Chance – wenn wir sie bewusst, gerecht und nachhaltig gestalten.