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N°3/2025
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KI als Partnerin der Kunstschaffenden

Eine zunehmende Zahl von Kunstschaffenden nutzt KI als digitales Werkzeug für nicht künstlerische Aufgaben. Aber wie verändert KI die künstlerische Praxis?

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Forschungsprofessor an der BFH Business School

Unsere Forschung am Institut Digital Technology Management beschäftigt sich sektorübergreifend mit der digitalen Transformation – von Fine Arts, Musik und Theater über Gesundheit, Bildung und Sport bis zu Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen, Justiz und Demokratie. Dabei arbeiten wir jeweils mit Fachexpert*innen des Sektors zusammen und betrachten die digitale Transformation als kulturellen Prozess, der sehr viel mehr umfasst als nur das Designen, Einführen und Nutzen von digitalen Werkzeugen.

Diesen kulturellen Prozess kann man nur transdisziplinär erkunden. Qualitative empirische Sozialforschung (mit der Trias aus Beobachten, Befragen und Analysieren von Digitalspuren) gehört ebenso dazu wie eine mathematisch und technisch informierte Design Science. Diese soll die Entwicklung einer Sprache ermöglichen, welche den Erfahrungsaustausch zu digitaler Transformation ermöglicht. Auch Elemente der anthropologischen und künstlerischen Forschung, Perspektiven der politischen Ästhetik, empirische Ethikforschung und philosophische Überlegungen spielen eine wichtige Rolle. Was uns besonders interessiert sind Grundmuster der digitalen Transformation, welche in vielen Sektoren beobachtbar sind, ebenso wie bislang einzigartige, besonders erfolgreiche Transformationspraktiken in Nischenbereichen.

Die Masterarbeit von Luiza Silva Volpato in qualitativer Sozialforschung lieferte innerhalb dieses «Programms» überraschende Ergebnisse zu generativer KI in den visuellen Künsten: Kunstschaffende, welche KI selbst aktiv nutzen, sehen in ihr häufig mehr als ein Werkzeug, nämlich ein Gegenüber, mit dem sie gemeinsam arbeiten. Sie empfinden dieses Miteinander nicht als Kontrollverlust und haben auch keine Angst vor der Konkurrenz durch die KI. Manche gehen sogar davon aus, dass in Zukunft KI die Nachfolge der menschlichen Kunstschaffenden antreten wird. Luizas Arbeit zeigt, dass KI in allen Phasen des künstlerischen Schaffensprozesses und zugleich für nicht künstlerische Aufgaben genutzt wird. Dabei ist die Vielfalt der KI und der Formen von KI-Nutzung gross – mit sehr unterschiedlichem Kontrollgrad über die KI je nach Künstler*in.

Zu Beginn sind meist die «technischen» Probleme mit dem Prompting gross. Defizite der KI und die Kontingenz des Entwicklungsprozesses
werden aber typischerweise als kreative Chance wahrgenommen. Eine zentrale Rolle spielt die ästhetische Kuratierung von Trainingsdaten. Vorerst aber fehlt oft das Bewusstsein, dass die Aneignung fremden geistigen Eigentums mit generativer KI eine neue Dimension erreicht hat. Viele sehen aber die Gefahr, dass koloniale Praktiken durch generative KI gefördert werden könnten.

Interesse an einer Masterarbeit oder einem Forschungsprojekt zu digitaler Transformation des künstlerischen Schaffens?
Melde dich: reinhard.riedl@bfh.ch