Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualiseren Sie auf Edge, Chrome, Firefox.
N°3/2025
i

Laurie Anderson, die US-amerikanische Gesamtkünstlerin, ist eine Pionierin in der Anwendung von künstlich intelligenten Instrumenten. Es gibt wohl wenige so bekannte Künstler*innen, die über eine so breite Erfahrung im Zusammenspiel von Kunst und Maschine haben. Die Lyrics in ihrem Computer-Hit O Superman von 1981 hören sich überraschend gegenwärtig an:O Superman
O judge
O Mom and Dad
Mom and Dad
Hi, I’m not home right now
But if you want to leave a message
Just start talking at the sound of the toneHello? This is your mother
Are you there? 
Are you coming home?Hello, is anybody home?
Well, you don’t know me, but I know you
And I’ve got a message to give to you
Im August war Anderson am Zürcher Theaterspektakel zu Gast und gab der NZZ diese bemerkenswerte Aussage: «Ich liebe KI. [ … ] Ich persönlich benutze KI die ganze Zeit, heute auch beim Schreiben. Als Musikerin arbeite ich allerdings schon seit etwa fünfzig Jahren mit KI.» Neben dem Potenzial weist Anderson auch auf die Gefahren von künstlicher Intelligenz hin: «Tatsächlich verändert KI doch die humanistischen Voraussetzungen der Kunst! Sie birgt die Gefahr, dass Urheberschaft und Authentizität verloren gehen.»
[NZZ, 27.8.2025]Emily M. Bender, Linguistikprofessorin an der Universität von Seattle, wurde mit dem Begriff «stochastische Papageien» bekannt. Die Metapher beschreibt Textgeneratoren wie ChatGPT als Computerprogramme, die Text reproduzieren, mit Intelligenz aber wenig zu tun haben. Die medial omnipräsente Aufregung um KI ist laut Bender einer Marktdynamik geschuldet: «Der Hype war schon immer der Modus Operandi der KI-Forschung», sagt Bender der WOZ.[WOZ, 4.9.2025]
Bei Wissenschaft, Kunst oder auch im Journalismus gehe es aber um Kreativität, um ein gesellschaftliches Unterfangen.
Lukas Bärfuss, der preisgekrönte Schweizer Autor und HKB-Dozierende, schlägt Alarm, als er seine Bücher auf einer russischen Piratenwebsite entdeckt. Bärfuss vermutet, dass Techfirmen seine Bücher KI-Sprachmodellen füttert. Bärfuss forderte die Website per Mail auf, den «Diebstahl in Zukunft zu unterlassen», doch: «Ich weiss, das war in den Wind gesprochen».[Tages-Anzeiger, 31.8.2025]Bei der Recherche für diese HKB-Zeitung 2025 / 3 mit dem Schwerpunkt Künstlerische Intelligenz sind wir mitten in die Spannungsfelder Potenzial und Risiko, Hype und Realität, Kreativität und Ohnmacht geraten. Aus Sicht der Künste stellt die künstliche Intelligenz Kunst – als menschliche Kreativität – derzeit grundsätzlich infrage. Dieser Herausforderung wollen wir in der HKB-Zeitung Raum verschaffen für verschiedene Perspektiven. Zwischen Kunst, Forschung, Praxis und Business lassen wir Projekte und Personen der Hochschule der Künste Bern und der Berner Fachhochschule zu Wort kommen.Entstanden ist die Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Institut Digital Technology Management. Aber lesen Sie selber.